An hexactinellide Schwammgitter angeheftete rezente Foraminiferen des west-kanadischen Schelfs: ein Vergleich mit ihren jurassischen Pendants von Europa

Jean-Pierre Guilbault, Manfred Krautter, Kim W. Conway und J. Vaughn Barrie

ZUSAMMENFASSUNG

In dieser Studie wird eine Foraminiferenfauna charakterisiert, die aus den Skeletten von Kieselschwämmen geborgen wurde.  Die Kieselschwämme selbst stammen aus den rezenten Kieselschwammriffen von Britisch Kolumbien (Kanada).  Diese moderne Foraminiferenfauna wird dann mit fossilen Foraminiferenfaunen verglichen, die von den oberjurassischen Kieselschwammriffen Mittel- und Südeuropas beschrieben sind.  Die moderne Foraminiferenfauna umfasst 40 Sand- und 53 Kalkschaler.  Sie sind entweder lose innerhalb des Skelettgitters, an dem selbst Gitter angeheftet oder sie wurden in den Maschen des Gitters gefangen.  Die losen Foraminiferen gehören denselben Arten an, die auch außerhalb der Schwämme im Sediment leben.  Crithionina, Gaudryina, Karreriella, Placopsilina, cf. Tritaxis, Trochammina, Islandiella, Lobatula und Ramulina sind meist am Schwammskelett angeheftet oder in den Maschen des Gitters gefangen.  Zwei Taxa werden hier erstmals beschrieben und neu aufgestellt.  Es sind dies: Placopsilina spongiophila n. sp. und Ramulina siphonifera n. sp.  Die Gattungen, die sich am Skelett jurassischer Kieselschwämme festheften oder zumindest eine enge Beziehung zu den Schwammriffen haben sind: Vinelloidea, Thurammina, Tolypammina, Tritaxis, Subdelloidina und Bullopora.  Zwischen den heutigen und den jurassischen Schwammriff-Foraminiferenfaunen sind keine Übereinstimmungen auf Artebene und nur wenige Übereinstimmungen auf Gattungsebene vorhanden.  Allerdings treten viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Beziehung Foraminifere und Schwammskelett auf.  Die jurassischen Foraminiferen zeigen exakt dieselben Festheftungsmuster wie ihre heutigen Vertreter.  Formen, die offensichtlich im Maschenwerk des Skeletts gefangen sind, treten auch im Jura auf.  Obwohl ältere Taxa durch neue Taxa ersetzt wurden, haben sich die ökologischen Nischen im Maschenwerk des Schwammgitters im Laufe der Zeit jedoch kaum verändert.

Schlüsselwörter: Riffe, benthische Foraminiferen, konvergente Evolution, Kanada, Britisch Kolumbien, Europa, hexactinellide Schwämme, inkrustierende Arten, Epifauna